endodontologie

Wie sieht ein Zahn innen aus?

Grafik mit freundlicher Erlaubnis der pdv praxisDienste + Verlags GmbH Heidelberg

Im Inneren der Zahnkrone unter den Schichten des Zahnschmelzes und des Zahnbeins sowie in den Wurzelkanälen des Zahnes befindet sich ein Weichgewebe (Pulpa) aus Gefäßen, Nerven, spezialisierten Zellen und Bindegewebe. Dieses Gewebe spielt eine große Rolle bei der Zahnbildung und dem Wachstum. Es ist verantwortlich für die Sensibilität eines Zahnes. Nach Abschluss des Wurzelwachstums kann ein Zahn auch ohne dieses Gewebe weiterleben.

Was sind Erkrankungen des Zahninneren (der Zahnpulpa)?

Die häufigste Ursache der Entzündung der Pulpa ist sicher Karies. Über einen Kariesdefekt gelangen Bakterien in die Nähe oder in die Pulpa und lösen eine Entzündungsreaktion (Pulpitis)aus. Hierdurch entstehen Schmerzen, eventuell stirbt das Pulpagewebe ab (Pulpanekrose) und es entsteht eine chronische Entzündung des Gewebes um die Wurzelspitze herum (chronisch apicale Parodontitis), die aber je nach Virulenz der Bakterien oder der Immunabwehrlage des Körpers akut (akute apicale Parodontitis) sein oder werden kann, bis hin zu einem eitrigen Abszess mit Schwellung und eventuellem Fieber.

Die Zahnpulpa kann auch durch Verletzungen der Zähne erkranken. Sei es, dass der Zahnnerv durch eine Verletzung der Zahnkrone direkt eröffnet und bakteriell infiziert wird oder dadurch, dass der Zahn in seinem Zahnbett erschüttert oder über ein gewisses Maß ausgelenkt wird und die Gefäßversorgung an der Wurzelspitze abreißt. Auch feine Haarrisse im Zahnschmelz können langfristig eine Eintrittspforte für Bakterien ins Zahninnere darstellen und eine Pulpaerkrankung verursachen.

Durch übermäßigen Abrieb der Zähne durch Zähneknirschen (Parafunktionen) oder bei ausgeprägten Zahnhalsdefekten kann irgendwann die schützende Zahnbeinschicht so dünn werden, dass Bakterien eindringen und eine Pulpitis oder eine Pulpanekrose verursachen.

Eine beginnende Entzündung der Pulpa (Pulpitis) ist eventuell noch umkehrbar, das heißt das Pulpagewebe kann noch vital bleiben und ausheilen. Dies ist dann der Fall, wenn die Karies rechtzeitig entfernt werden kann oder z.B. bei einer Zahnverletzung der eröffnete Zahnnerv sehr zeitnah versorgt wird. Die Regeneration einer Pulpa ist vom Alter abhängig, d.h. bei einem jugendlichen Zahn bestehen größere Chancen, bei rechtzeitiger Karies- oder Verletzungstherapie die Pulpa lebendig zu erhalten.

Sind erst einmal Bakterien in die Pulpa eines Erwachsenenzahnes eingedrungen, ist die Pulpaentzündung unumkehrbar.

Wie läuft eine Wurzelkanalbehandlung ab?

Ist eine Pulpa unumkehrbar entzündet oder abgestorben, muss zum Zahnerhalt eine Wurzelkanalbehandlung (endodontische Behandlung) erfolgen. Die Alternative ist die Entfernung des ganzen Zahnes.

Das Prinzip der Wurzelkanalbehandlung besteht nach der entsprechenden Diagnostik (u.a. klinische Untersuchung mit Sensibilitätsprüfungen, Röntgen) in folgenden Maßnahmen, meist in 1 – 3 Sitzungen:

  • örtliche Betäubung und Isolierung des Zahnes durch ein Gummituch (Kofferdam)
  • Eröffnung der Zahnkrone
  • Diagnostik mit dem Dental-Mikroskop: das Innnere der Zahnkrone und später der Wurzel können bei bis zu 25-facher Vergrößerung inspiziert werden und die folgenden Behandlungsmaßnahmen mikoskopkontrolliert entsprechend präzise ausgeführt werden:
  • Darstellen und Auffinden aller Wurzelkanäle
  • Längenbestimmung der Wurzelkanäle mit elektronischen Meßgeräten und/oder Röntgendarstellung
  • Aufbereitung (Entfernung allen entzündeten Gewebes, Erweiterung) der Wurzelkanäle mit sehr feinen und extrem flexiblen Nickel-Titan-Instrumenten
  • Desinfektion möglichst auch aller Verästelungen und Aufzweigungen der Wurzelkanäle mit diversen chemischen Desinfektionsmitteln in bestimmter Reihenfolge und mit Ultraschallaktivierung zur noch besseren Wirksamkeit
  • Trocknung und bakteriendichte Füllung aller Wurzelkanäle mit biokompatiblen Materialien
  • Röntgenkontrolle der Wurzelkanalfüllung
  • bakteriendichte Versiegelung der Wurzelkanaleingänge und der Zahnkrone mit zahnfarbenen Komposit-Werkstoffen

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In sehr vielen Fällen benötigt ein erfolgreich wurzelkanalbehandelter Zahn nachfolgend eine Versorgung mit einer Krone oder Teilkrone, um ausreichende Kaustabilität zu gewährleisten. Ein erfolgreich wurzelbehandelter Zahn kann eventuell lebenslang im Mund verbleiben.

Ist eine Wurzelkanalbehandlung schmerzhaft?

Eine Wurzelkanalbehandlung wird in aller Regel schmerzfrei in örtlicher Betäubung durchgeführt. Sehr viele Behandlungen werden schließlich durchgeführt, um akute entzündungsbedingte Schmerzen zu beseitigen. Nach einer Wurzelkanalbehandlung kann es in Einzelfällen noch zu erträglichen Schmerzen und eventuellen Aufbiss-/Druckempfindlichkeiten des Zahnes kommen, was in aller Regel mit einem  Schmerzmittel kontrolliert werden kann. Sie werden von uns entsprechende Anweisungen und Medikamente soweit erforderlich bekommen.

Wie sind die Erfolgsaussichten einer Wurzelkanalbehandlung?

Bei sorgfältiger Erstbehandlung mit den oben dargestellten Behandlungsmethoden erscheint die Prognose generell sehr gut, sofern der Zahn keine außergewöhnlichen oder unüberwindbaren anatomischen Schwierigkeiten bietet: manchmal können Wurzelkanäle trotz aller Hilfsmittel nicht auffindbar oder der Erweiterung unzugänglich sein (Obliteration). Bei sehr lange bestehender Infektion kann sich eine Bakterienflora entwickelt haben, die allen eingesetzten Desinfektionsmaßnahmen  widersteht. Der Erfolg ist also auch abhängig von der Ausgangssituation.

Kann eine Wurzelkanalbehandlung wiederholt werden?

Ein großer Teil der in unserer auf Endodontie spezialisierten Praxis durchgeführten Wurzelkanalbehandlungen sind sogenannte Revisionsbehandlungen, also Wiederholungsbehandlungen. In diesen Fällen hat sich trotz einer bereits früher  durchgeführten Wurzelbehandlung (meist mit älteren Standardmethoden mit eventuell nicht erfolgreicher Aufbereitung und Desinfektion) eine meist chronische Entzündung oft mit Beteiligung des Kieferknochens um die Wurzelspitze gebildet.
Eventuell hat sich auch bei primär erfolgreicher Behandlung durch eine zu lange undichte oder defekte Füllung wieder eine erneute Bakterien-Infektion des Wurzelkanalsystems ergeben.

Auch in solchen Fällen kann durch eine erneute mikroskopisch-endodontische Behandlung der Zahn oft doch noch erhalten werden.

Welche Spezialfälle der Wurzelkanalbehandlung gibt es?

In vielen Fällen kann eine Wurzelkanalbehandlung ohne mikroskopische Methoden nicht mehr erfolgversprechend durchgeführt werden:

Aufbereitungsinstrumente (Wurzelkanalfeilen) können in den Krümmungen der Wurzelkanäle abbrechen und demzufolge eine ausreichende Desinfektion und –Kanalfüllung verhindern, der Zahn wäre verloren.

Auch Perforationen der Wurzelkanalwände können bei der Wurzelkanalbehandlung passieren.

Obliterationen oder Stufen in Wurzelkanälen stellen oft unüberwindliche Hindernisse bei einer „normalen“ Wurzelkanalbehandlung dar.

In vielen dieser Fälle kann der Einsatz des Mikroskops und spezialisierter Techniken doch noch den Zahnerhalt sichern, indem Fragmente entfernt , Perforationen verschlossen oder Obliterationen/Stufen beseitigt werden.

Kann man eine erkrankte Zahnwurzel operieren?

Eine sogenannte Wurzelspitzenresektion ist nur dann sinnvoll, wenn das Wurzelkanalsystem „von oben“ durch den Zahn nicht oder nicht mehr zugänglich ist, also wenn der Zahn z.B. eine ansonsten intakte Stiftkrone trägt. Generell ist es aber nicht sinnvoll und erfolgversprechend, einen Zahn zu operieren, wenn noch Bakterien oder eine undichte Wurzelkanalfüllung vorhanden sind. Wenn immer möglich, sollte zunächst eine Revisionsbehandlung auf normalem Wege erfolgen.

Schließlich kann aber eine Wurzelspitzenresektion in einzelnen speziellen Fällen doch noch zahnrettend sein. Eine bestmögliche Wurzelspitzenresektion kann heutzutage ebenfalls unter dem Operationsmikroskop mikrochirurgisch durchgeführt werden. Dabei kann der Wurzelkanalquerschnitt rückwärts aufbereitet und mit speziellem bakteriendichten biokompatiblem Material (z.B. Mineral Trioxide Aggregate - MTA) abgedichtet werden. Der mikrochirurgische Zugang sorgt für bestmögliche Heilungsergebnisse bei geringstmöglichem Operationstrauma.

Ist nach einem Zahnunfall immer eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich?

Bei einem Zahnunfall kommt es häufig zu direkten Verletzungen des Zahninneren (der Pulpa). In Abhängigkeit vom Alter und von der Größe und Art der Verletzung kann trotzdem der Zahnnerv oft vital erhalten werden. Hierbei kommt es darauf an, die Verletzung so schnell wie möglich mit der richtigen Methode zu behandeln.
Ebenso müssen vollständig ausgeschlagene Zähne schnellstmöglich richtig versorgt werden. Beim Erwachsenen ist nach dem Wiedereinsetzen des Zahnes/der Zähne immer,
beim Kind häufig eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich.

Auch wenn der Zahnnerv (die Pulpa) nicht direkt sichtbar verletzt wurde, ist unmittelbar nach einem Zahnunfall eine sorgfältige zahnärztliche Untersuchung mit nachfolgenden Kontrollen erforderlich, da sich ein Absterben oder eine Entzündung der Pulpa auch eventuell erst nach Wochen oder Monaten zeigt. Es kommt dann darauf an, rechtzeitig und sinnvollerweise unter besten Bedingungen (Mikroskopeinsatz u.v.m.) eine bestmögliche Wurzelkanalbehandlung durchzuführen, um Auflösungen (entzündliche Resorptionen) an der Wurzel zu vermeiden.

Insbesondere Zahnunfälle im Kindesalter bedürfen der zeitnahen und optimalen Versorgung, um weitreichende Spätschäden zu vermeiden. Hierbei kommen oft spezielle Methoden der mikroskopischen Wurzelkanalbehandlung (z.B. Apexifikation mit MTA) zur Anwendung. In günstig gelagerten Fällen kann heutzutage sogar eine „Wiederbelebung“ des Zahninneren (Revaskularisation) eines noch nicht ausgewachsenen Zahnes versucht werden, um ein Weiterwachsen der Wurzel und damit den Zahnerhalt zu sichern.

Was kostet eine Wurzelkanalbehandlung?

Grundsätzlich leistet auch die Gesetzliche Krankenversicherung für Wurzelkanalbehandlungen unter bestimmten Bedingungen, die im Sozialgesetzbuch V dargestellt sind. Die Leistung erstreckt sich aber nie auf die besonderen Maßnahmen der mikroskopischen Endodontie, die in jedem Fall privat zu vereinbaren sind. Für bestimmte Einzelleistungen der mikroskopischen Endodontie gibt es auch Erstattungseinschränkungen seitens privater Krankenversicherungen und Beihilfestellen.

Die Kosten hängen direkt mit der Schwierigkeit und damit dem benötigten Zeitaufwand zusammen. Hier ist es z.B. maßgeblich, ob es sich um einen mehrwurzeligen Seitenzahn oder um einen Frontzahn handelt. Handelt es sich um eine Erstbehandlung oder eine komplexe Revisionsbehandlung, bei der altes Material oder Stifte zunächst mühsam und akribisch aus den Wurzelkanälen entfernt werden müssen? Auch der Materialaufwand z.B. durch die Verwendung von Einmal-Nickel-Titan- oder Ultraschallinstrumenten sowie für spezielle Verbrauchsmaterialien muss kalkulatorisch berücksichtigt werden.

Eine transparente schriftliche Kostenvorausberechnung wird Ihnen vor der Behandlung erstellt.


Dental-Mikroskop

Einsatz hochflexibler Ni-Ti-instrumente

mikroskopischer Blick in einen Zahn